Resultate, Beobachtungen, Thesen aus einem gemeinsamen Seminar der Universität Bern und der HKB.
Manuel Bärtsch, Sebastian Bausch (HKB),
Cristina Urchueguía, Silja Reidemeister (UniBE)
Musikalische Umrahmung: Malwina Sosnowski (Violine), Sebastian Bausch (Klavier)
Der russische Komponist Schweizer Abstammung Paul Juon (1872–1940), dessen Lebensweg von Moskau über Berlin und Baku nach Vevey führte, schuf ein Gesamtwerk von beeindruckender musikalischer Vielfalt und stilistischer Komplexität, das heute weitgehend vergessen ist. Sein in der Universitätsbibliothek Lausanne aufbewahrter Nachlass enthält eine Fülle von Skizzen, Reinschriften, Drucken und korrigierten Partituren. Dieses Material ermöglicht einen überaus detaillierten Einblick in seine Schaffensweise, wie ein gemeinsam veranstaltetes Seminar des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Bern und der HKB im Frühjahr 2014 zeigte. Dozierende und Studierende stellen eine reizvolle Utopie zur Diskussion: Eine moderne Gesamtedition dieses Nachlasses würde nicht nur einen interessanten Komponisten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückbringen, sondern könnte musikalische und wissenschaftliche Erkenntnisse generieren, die weit über die empirische Person Juon hinausreichen. Als realistische Zukunftsperspektive folgt aus diesen Überlegungen: Edition ist schon aus systemischen Gründen ein ausgesprochen produktives Thema für die Zusammenarbeit der so unterschiedlichen Hochschulen.
Als klingende Beispiele werden die Geigerin Malwina Sosnowski und der Pianist Sebastian Bausch zwei Sätze aus Violinsonaten Juons zur Aufführung bringen. Eine davon stammt aus einem Manuskript aus Juons Jugendzeit.
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