Francesco Pollini (1762–1846) war ein Amateurkomponist, Tenor, Pianist und Klavierlehrer. In Ljubljana geboren, absolvierte er seine musikalische Ausbildung – nach erstem Unterricht in seiner Heimatstadt – in den 1780er-Jahren in Wien, wo er Wolfgang Amadeus Mozart kennenlernte. Ab 1793 liess sich Pollini endgültig in Mailand nieder, wo er als Lehrer und Komponist intensiv tätig war und eine einflussreiche Klaviermethode sowie eine beträchtliche Anzahl von Klavierwerken, Vokalkammermusik, aber auch – in den ersten zwanzig Jahren seines künstlerischen Schaffens – umfangreiche geistliche Musik und dramatische Werke schuf. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann Pollini, seine Werke in Paris, Wien und Zürich zu veröffentlichen. Später erschienen die meisten Kompositionen Pollinis in Mailand beim Verlag Ricordi. Pollinis soziale und wirtschaftliche Stellung war einzigartig: Dank den Einnahmen aus dem Verkauf eines von seinem Vater erfundenen Mittels gegen Syphilis, bekannt als «Acque di Pollini», war er nicht auf Einkünfte aus seiner musikalischen Tätigkeit angewiesen. Diese finanzielle Unabhängigkeit wirkte sich direkt auf seine kompositorischen Entscheidungen und auf die Möglichkeiten der Aufführung und Verbreitung seiner Musik aus.
Der vorliegende thematische Katalog der Werke von Francesco Pollini wurde mit dem Ziel erstellt, erstmals einen systematischen Überblick über das gesamte Schaffen des Komponisten zu bieten, basierend auf der direkten Untersuchung der derzeit bekannten handschriftlichen und gedruckten Quellen. Er ist ein wertvolles Instrument, um das Wissen über die Entwicklungen der ersten italienischen Klavierschule zu vertiefen, die sich zwischen dem Ende des 18. und dem Beginn des 19. Jahrhunderts ausgehend von der klassischen Wiener Klavierschule herausbildete und sich mit den Beiträgen von Komponisten wie Pollini den neuen Virtuositäten der 1830er-Jahre öffnete.
Zur ausführlichen Einleitung (italienisch)
Die Veröffentlichung des thematischen Katalogs von Pollini ist Teil der Forschungsergebnisse aus dem Projekt Francesco Pollini und die frühe italienische Klaviertradition.